Frauen mögen Schmuck. Das ist bei Silvia Winter nicht anders.

 

 

 

Als die 48 Jahre alte Gewichtheberin des TSV Heinsheim am Mittwochmittag den Wettkampf aufnahm, trug sie zwei silberne Ohrringe. Nach dem Wettkampf hing passend zu diesen Silberohrringen eine Silberkette um ihren Hals. Und das war nicht irgendeine Silberkette. Es war eine Silbermedaille, die Silvia Winter besonders gut zu Gesicht stand.

Ja, sie hat es geschafft: Silvia Winter ist Vizeeuropameisterin der Senioren. Bei der Heim-EM in der Josef-Müller-Halle sicherte sich die Jugendtrainerin des TSV hinter Sabina Eschemann aus Peine den zweiten Platz in der Altersklasse W3 bis 63 Kilogramm. "Vor eigenem Publikum freut man sich natürlich über ein solches Ergebnis", strahlte Winter am "Ladys Day" der Titelkämpfe und betonte: "Ich bin auch mit meiner Leistung zufrieden."

Im Buhlen um Platz zwei hatte sie sich einen packenden Zweikampf mit der Französin Isabelle Giraud geliefert. Winter begann mit 36 Kilogramm und ließ wenig später die 39 Kilogramm folgen, ehe sie an den 41 Kilogramm scheiterte. Giraud rückte ihr mit drei gültigen Versuchen über 33, 36 und 38 Kilogramm bis auf einen Punkt auf die Pelle. Auch im Stoßen war es eng. Silvia Winter gab alles − und wurde belohnt. Nach 47 und 50 Kilogramm stellte sie mit 52 Kilogramm eine persönliche Bestleistung auf. Da konnte Isabelle Giraud, die sich vergeblich an den 53 Kilogramm versuchte, nicht mehr folgen.

Erleichterung

"Auf die 52 Kilogramm bin ich stolz. Dieser Versuch war wirklich super", sagte Silvia Winter, die erst seit vier Jahren Gewichte hebt und durch ihre Kinder zum Sport der Scheiben und Hanteln kam. "Silvia war toll. Sie hat einen klasse Wettkampf gemacht − ganz im Gegensatz zu mir", erklärte Abteilungsleiterin Martina Dosquet.

Immerhin: Die "First-Lady" des TSV wurde in der Altersklasse W2 zur drittbesten Frau in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm gekürt und holte Bronze. Nach dem unglücklichen Aus der Französin Florence Jerome, die im Reißen keinen ihrer Versuche über 28 Kilogramm in die Wertung brachte, war der Weg frei. 41 Kilogramm im Reißen und 53 Kilogramm im Stoßen genügten, um souverän aufs Treppchen zu kommen. "Es war jetzt nicht die Leistung, die ich mir vorgenommen habe. Es ist halt etwas anderes, in einer vollen Halle bei einer Europameisterschaft als vor sieben Leutchen zu heben", sagte Martina Dosquet. Was soll"s. Die Schaulustigen in der Josef-Müller-Halle waren begeistert − vor allem Töchterchen Natalie, die sich nichts Sehnlicher gewünscht hatte als eine Medaille für ihre Mama.

So ist das halt: Nicht nur Frauen, auch Mädchen mögen Schmuck.