Frau Dosquet, gab es böse Kommentare nach der Niederlage in Obrigheim?
Martina Dosquet: Die Fans waren ziemlich moderat.
Es wurde also niemandem der Kopf abgerissen?
Dosquet: Mein Mann hat im Bus gleich das Mikro ergriffen. Er hat sich entschuldigt und gesagt, dass wir uns das selber anders vorgestellt haben. Die Fans waren eher so aufgelegt, dass sie vollstes Verständnis gezeigt haben - so nach der Art: Nicht jeder Tag ist gleich. Es kann mal passieren. Erik Kübler ist für sein Loch im Reißen 33 Mal getröstet worden. Jeder war voll des Mitleids. Intern ist die Niederlage natürlich kritischer gesehen worden.
Wie hat Trainer Ferdinand Wittmann reagiert?
Dosquet: Er konnte am Samstag ja nicht dabei sein, weil er bei einem Lehrgang war. Ich habe scherzhaft zu ihm gesagt: „Siehst du! Wir haben das nur gemacht, damit du weißt, dass du nicht fehlen darfst.“
Gab es schon eine Aussprache mit der Mannschaft?
Dosquet: Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. Was ich zu sagen hatte, habe ich noch am selben Abend gesagt. 17 Fehlversuche sind neuer Rekord. Das Schlechteste, was wir vorher mal hatten, waren um die 14. Nur: Wenn wir mal einen solchen Aussetzer hatten, dann ist es nicht ganz so dicke gekommen - weil wir einen Ilian Tzankov hatten. Der hat sich nie anstecken lassen. Der hat sechs gültige Versuche gehabt und seine 160 Punkte gemacht.
Sein Vertreter Bartzomiej Osuch kam in Obrigheim nur auf 129 Punkte. Das kann nicht das Maß aller Dinge sein.
Osuch schien Probleme mit dem Handgelenk zu haben ...
Dosquet: Die sind uns schon vor dem ersten Wettkampf angekündigt worden. Da hat er noch 150 Punkte gemacht. Aber niemand hat gesagt, dass es inzwischen schlimmer geworden ist. Das hätte er uns vor dem Wettkampf in Obrigheim erklären müssen. Das gehört auch zu professionellem Verhalten dazu. Wir sind in der komfortablen Lage zu tauschen - und Ilian Tzankov einzusetzen. Die Leistung von Osuch war das einzige, an dem sich die Fans aufgehalten haben. Das ist halt so mit den Profis. Da verzeiht man weniger Fehler. Osuch hat natürlich noch wenig Kredit. Woher soll er ihn auch haben? Den muss er sich hier erst erarbeiten - wie ein Ilian Tzankov. Dem ist ein solcher Wettkampf in zehn Jahren noch nicht passiert. Sein schwächster Wettkampf waren 157 Punkte. Und da war Herr Tzankov schon sehr beleidigt mit sich.
Wie ist Tzankov derzeit drauf?
Dosquet: Gut. Er ist am Samstag bulgarischer Meister geworden. Er hat 127 Kilogramm gerissen und 157 Kilogramm gestoßen - das waren 164 Punkte. Er hebt wie ein Uhrwerk, in einer Differenz von fünf Punkten zwischen 160 und 165 Punkten. Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dass ein paar Zuschauer den Wert eines Ilian Tzankov nochmals erkennen. Man vergisst in den ganzen Jahren vielleicht, dass es nicht selbstverständlich ist, so konstant auf diesem Niveau zu heben.
Wie lief die Dopingkontrolle nach dem Wettkampf in Obrigheim?
Dosquet: Erstaunlich glatt. Neben Osuch hat es ausgerechnet Erik Kübler erwischt. Das hatte Erik hervorragend im Griff. Es ging ratzfatz. Wenn alles so gut gelaufen wäre wie die Dopingkontrolle, wären wir sehr zufrieden gewesen.