Gewichtheben - Ein letztes Mal schnauft Oliver Ehemann tief durch. Seine beiden Backen wölben sich, als habe er zwei kleine Luftballons im Mund. Dann schaut er nach unten. Dort liegt sie, die Hantel. 186 Kilogramm schwer, mit drei roten Scheiben an jeder Seite - ein Gewicht, das der Routinier noch nie in einem Wettkampf angerührt hat. Ehemann packt zu. Zieht die Last bis zur Schulter nach oben. Und stemmt sie schließlich wild entschlossen nach oben. „Jaaaaa. Jaaaaaa. Jaaaaaaa“, schreit er, und die mehr als 320 Schaulustigen in der Josef-Müller-Halle toben. „Oli, Oli, Oli“.
Jubel - Nein, der TSV Heinsheim ist nicht Meister der Bundesliga Mitte geworden. Er hat auch nicht das Derby gegen den SV Germania Obrigheim gewonnen, sondern mit 665,0:754,0 verloren. Dennoch werden die Gewichtheber aus dem Neckardörfchen wie Helden gefeiert. 665 Relativpunkte, das ist ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte, ein Mannschaftsrekord. So stark war der TSV noch nie.
„Das ist der absolute Oberhammer. Das ist eine Sensation. Das war ein Riesenwettkampf. Damit haben wir nicht gerechnet “, strahlt Abteilungsleiterin Martina Dosquet. „630 Punkte waren mein Wunschgedanke für den letzten Heimkampf dieser Saison“, erklärt Trainer Ferdinand Wittmann, der zusammen mit Karlheinz Grauf das Team betreut, betont aber: „Ich habe gewusst, welches Potenzial die Mannschaft hat.“ Zum Beweis holt Wittmann ein Blatt Papier aus seiner Hosentasche. Es ist seine Hochrechnung für diesen Wettkampf gewesen, sein ganz persönlicher Wunschzettel. 652 Punkte stehen drauf, eine Zahl, die er insgeheim notiert hatte. „Dass es dann sogar noch mehr werden...“, grinst Ferdinand Wittmann.
Für die Männer an der Hantel läuft es wie am Schnürchen. Es ist wie bei einer Aktion bei Sotheby's. Wer bietet mehr? Saisonbestleistungen wechseln sich mit persönlichen Bestleistungen ab. Kein Vergleich zum Hinkampf, als der TSV noch mit 558,2:681,4 unterging. Erik Kübler, mit 19 Jahren der Jüngste im Team, stellt im Reißen mit 76 Kilogramm eine persönliche Bestleistung auf, die Anderen ziehen nach. Kai Wittmann etwa, der sowohl im Reißen als auch im Stoßen Saisonbestleistungen aufstellt und 100 Punkte in die Wertung bringt; oder Michael Teichert, dem erstmals in dieser Saison fünf gültige Versuche gelingen. Und dann ist da „Obelix“ Oliver Ehemann, der sich im Stoßen gleich um vier Kilo steigert. „Ich habe nicht viel gedacht. Ich bin einfach raus zu den 186 Kilo“, sagt er.
TSV Heinsheim: Erik Kübler (Körpergewicht 56,0 Kilogramm) 83,0 Punkte (76 kg Reißen/91 kg Stoßen); Kai Wittmann (66,0 kg) 100,0 (100 kg/121 kg); Ilian Tzankov (68,0 kg) 171,0 (134 kg/164 kg); Michael Teichert (78 kg) 83,0 (107 kg/130 kg), Marcel Heinzelmann (85,0 kg) 110,0 (122 kg/158 kg); Oliver Ehemann (113 kg) 118,0 (141 kg/186 kg).
SV Germania Obrigheim: Rico Müller (64,5 kg) 124,0 (108 kg/134 kg); René Horn (97,2 kg) 159,0 (152 kg/200 kg), Thorsten Hauss (104,2 kg) 100,0 (136 kg/168 kg); Ingo Fein (106,0 kg) 95,0 (142 kg/159 kg); Carsten Diemer (115,8 kg) 85,0 (135 kg/161 kg); Almir Velagic (129,7 kg) 191,0 (189 kg/227 kg).