625,2 Punkte hier, 538,8 Punkte dort: Überraschend deutlich mit 3:0 gewannen die Heinsheimer das Kräftemessen in der 2. Bundesliga West gegen den VfL Nagold. Die zahlreichen Schaulustigen in der Josef-Müller-Halle waren begeistert. Der TSV, er hatte trotz des Fehlens von Routinier Oliver Ehemann einen Saisonrekord aufgestellt. Und er hatte einen Wettkampf gezeigt, der es in die Geschichtsbücher des Vereins schaffen wird. Was für eine Serie! 34 der insgesamt 36 waren gültig, im Reißen gingen gar alle 18 Versuche in die Wertung ein. 18 Mal leuchtete das grüne Lämpchen.
Sensation "Das denkt mir nicht, dass uns so etwas jemals gelungen ist", sagte Trainer Karlheinz Grauf nach der grünen Welle. "Das war der erste perfekte Wettkampf des TSV Heinsheim im Reißen", meinte Ralf Fein, der Technische Leiter, und strahlte: "Da kann man wirklich stolz drauf sein. Damit hab’ ich nicht gerechnet."
Es ist schon merkwürdig. In den vergangenen beiden Wettkämpfen hatte der TSV bedenklich gewackelt und sich etliche ungültige Versuche erlaubt. Gegen den VfL Nagold griffen die Männer in den schwarzen Kampfanzügen mit einer Präzision und Konzentration zu, die verblüffte. Kai Wittmann stellte im Reißen eine Saisonbestleistung auf und meisterte seine Lasten ebenso souverän wie sein Bruder Lars Wittmann, wie Aleksandar Dimitrov, Erik Kübler und Marcel Heinzelmann. Spannend machte es Kevin Kübler, der mit der Hantel über dem Kopf derart tief in die Knie ging, dass er aussah wie ein Gewichte hebender Kosakentänzer.
"Unsere Strategie war: Wir müssen punkten, indem wir sauber und gültig arbeiten", sagte Trainer Ferdinand Wittmann und betonte: "Und wenn du nur positive Dinge produzierst, macht das den Gegner irgendwann mürbe." Der VfL Nagold war sichtlich beeindruckt von den "Mister Perfects" aus Heinsheim und patzte auch in seiner Paradedisziplin, dem Stoßen. Beim TSV war es nach 25 gültigen Versuchen in Serie Kai Wittmann, der erstmals das Gewicht fallen lassen musste.
Visitenkarte Die 625,2 Punkte, die am Ende rauskamen, lassen sich als Visitenkarte, als Kampfansage in Richtung Konkurrenz verstehen. Vor allem aber waren sie Hilfe zur Selbsthilfe. "Auf gut Deutsch gesagt, war die Psyche am Arsch. Die Jungs waren demoralisiert. Diese Leistung wird uns Auftrieb geben", sagte Ferdinand Wittmann.
Ach ja: Der nächste Wettkampf in zwei Wochen findet wieder zu Hause statt. Und wieder ist Artur Semrau der Kampfrichter. Mal schauen, ob auch dieser Samstag ein Grünsamstag wird − mit vielen grünen Knopfdrückern für den TSV Heinsheim.
TSV Heinsheim: Kai Wittmann (Körpergewicht: 65,0 kg) 91,0 Kilopunkte (Reißen 96 kg/Stoßen 113 kg); Lars Wittmann (68,0 kg) 83,0 KP (95 kg/115 kg); Erik Kübler (57,0 kg) 31 KP (75 kg/-); Kevin Kübler (73,8 kg) 77,0 KP (102 kg/118 kg); Aleksandar Dimitrov (79,4 kg) 170,2 KP (146 kg/183 kg); Robin Künzel (84,0 kg) 56,0 KP (-/140 kg); Marcel Heinzelmann (86,5 kg) 117,0 KP (130 kg/160 kg).