Der TSV Heinsheim wäre nicht der TSV Heinsheim, hätte er nicht auch aus diesem Auftritt ein kleines Großereignis gemacht. Dass einer seiner Athleten bei einer Europameisterschaft antritt, das hat es in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte in dieser Form noch nicht gegeben. Also treffen sich die TSV-Freunde am Donnerstagabend in der Alten Dorfkelter. Zum Public Viewing. Zum Sascha-Schauen. Dank Beamer und Großleinwand sind die Heinsheimer ganz nah dran am EM-Geschehen in der Türkei.
Beifall
Die Stimmung hier ist viel besser als in der Kepez Basket Hall in Antalya. Als Aleksandar Dimitrov vor der Hantel steht, klatschen die 50 Schaulustigen in der Alten Dorfkelter rhythmisch Beifall. Sie jubeln, als er zum Auftakt die 146 Kilogramm stemmt. Und sie feuern ihn an und drücken die Daumen − knapp zwei Stunden lang. "Das Daumendrücken hat sich gelohnt in Heinsheim", wird der Eurosport-Reporter später sagen.
Das sehen auch die Heinsheimer so. Am Ende schafft es Aleksandar Dimitrov in die Top-Ten Europas. In der Zweitkampfwertung der Gewichtsklasse bis 77 Kilogramm belegt der 22 Jahre alte Bulgare Platz acht. Im Reißen, wo er Elfter wird, werden 146 Kilogramm für ihn notiert, im Stoßen 186 Kilogramm − das bedeutet einen starken fünften Platz. Nur zwei Kilos mehr im Stoßen, und Dimitrov wäre mit einer Bronzemedaille nach Hause gekommen.
"Er ist sehr ambitioniert an die Sache ran. Er ist bis ans Limit und darüber hinaus", sagt Martina Dosquet, die TSV-Abteilungsleiterin, und verweist auf die Anfangslasten. Im Reißen beginnt Dimitrov mit 146, im Stoßen mit 180 Kilogramm. "Sascha", wie Dimitrov in Heinsheim gerufen wird, hat alles im Griff. Den 146 lässt er die 149 Kilogramm folgen − nur die 152 Kilogramm sind zu schwer. Stark der Auftritt dann beim Stoßen. Über 180 geht es zu 186 Kilogramm. An den 188 Kilogramm, die Platz drei bedeutet hätten, scheitert er knapp. "Beim Ausstoßen verfolgen ihn manchmal noch technische Probleme. Wenn er die ablegt, kann er auch 195 Kilo machen", sagt Dosquet. Dennoch: 149 und 186 Kilogramm sind aller Ehren wert. Das sind eingestellte und neue persönliche Bestleistungen.
Trotz der Entfernung: Die Verbindung von Heinsheim nach Antalya ist bestens. Vor dem Wettkampf haben die Teamkollegen des TSV Dimitrov eine SMS geschickt, nach dem Wettkampf rufen Ralf Fein und seine Tochter Natalie ihn auf dem Handy an. Sie sprechen ihm Glückwünsche aus. Gratulieren zu Platz fünf. Aber sie hören es: Dimitrov ist nicht zufrieden, er ärgert sich. Dass zwei Kilogrämmchen gefehlt haben, zwei Kilolein zu Bronze, das fuchst den jungen Bulgaren. Ralf Fein versucht ihn zu trösten: "Wir sind alle stolz auf dich", sagt der Technische Leiter. Genauso sieht es Martina Dosquet: "Dass er nach einer solch kräftezehrenden Saison noch eine Schippe drauflegen kann, das ist eine Riesenleistung."
Wie gut, dass die Heinsheimer ihren "Sascha" bald wieder live sehen dürfen − nicht auf Eurosport, sondern in der Josef-Müller-Halle. Aleksandar Dimitrov wird bei der Stange bleiben und auch kommende Saison Hanteln heben für den TSV. Den wiederholten Abwerbeversuchen des AC St. Ilgen hat er widerstanden. "Er fühlt sich einfach wohl bei uns", sagt Martina Dosquet.
Man könnte es auch so formulieren: In Heinsheim ist Aleksandar Dimitrov ein Goldjunge − auch ohne EM-Medaille in der Türkei.