Die Fans tranken Freibier, die Gewichtheber selbst nippten an einem Premium-Pils mit dem Namen "No. 1". Ja, der TSV ist die Nummer eins: Mit dem souveränen 3:0 (590,6:511,4)-Heimerfolg am Samstagabend gegen den Tabellenzweiten ASV Ladenburg feierte der Meister der 2. Bundesliga West einen würdigen Rundenabschluss − und den zehnten Sieg im zehnten Wettkampf. Kein Team der Liga war in den vergangenen Monaten so stark wie die Männer in den schwarzen Kampfanzügen.
"Glückwunsch an den TSV Heinsheim. Die Mannschaft hat es verdient", gratulierte ASV-Heber Michael Rotzler. Ersatzgeschwächt Lars Wittmann verletzt, Marcel Heinzelmann krank, Kevin Kübler angeschlagen: Der TSV ging derart gehandicapt an die Hantel, dass sich Routinier Ralf Heber als Ersatzheber bereithalten musste. Umso überraschender dann, dass die Mannschaft an der 600-Punkte-Marke kratzte. Vor 300 Schaulustigen in der Josef-Müller-Halle packten die Heinsheimer nochmals richtig zu. Robin Künzel kam erstmals in einem Heimkampf über 100 Punkte, Oliver Ehemann stellte mit 173 Kilogramm im Stoßen eine persönliche Saisonbestleistung auf. Kevin Kübler brillierte trotz Erkältung mit 110 Kilogramm im Reißen − einem persönlichen Rekord. "Es war ein toller Wettkampf. Wenn man bedenkt, dass es der fünfte Wettkampf innerhalb von zehn Wochen war, ist diese Leistung fast sensationell", sagte Abteilungsleiterin Martina Dosquet. Auch der sportliche Leiter Ralf Fein staunte: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft." Vier Wochen hat der TSV Heinsheim jetzt Zeit. Vier Wochen, um sich von der anstrengenden Saison zu erholen und sich auf das Bundesliga-Aufstiegsfinale in Suhl vorzubereiten. Beim Kräftemessen der Zweitliga-Meister am 13. April sind der AC Suhl (2. Liga Süd) und der AC Meißen (2. Liga Ost) die Gegner. Wer den TSV Heinsheim kennt, weiß, dass er nicht aus touristischen Gründen nach Thüringen fährt. Jetzt will der Verein auch Geschichte schreiben. "So einen Wettkampf gab es noch nie. Wir wollen der erste deutsche Zweitliga-Gesamtmeister werden", sagt Ralf Fein. Rollenverteilung Als Favorit geht der AC Suhl in den Dreikampf. Der Südmeister hat eine Bestleistung von 650,4 Punkten zu Buche stehen und im Finale das eigene Publikum im Rücken. Der TSV Heinsheim kommt immerhin auf einen Bestwert von 630,1. Nur Außenseiterchancen werden dem AC Meißen eingeräumt, der es nur auf 503,6 Zähler gebracht hat. Das Problem des TSV ist: Er hat den größten Stress gehabt und bereits zehn Wettkämpfe hinter sich. "Für uns war diese Saison die Hölle", sagt Mannschaftssprecher Kai Wittmann. Nur acht Mal musste der AC Suhl an die Hantel, fast tatenlos kam der AC Meißen zu Titelehren − mit gerade mal vier Auftritten. Die Verantwortlichen des TSV hoffen, dass die Angeschlagenen Marcel Heinzelmann (Kniebeschwerden) und Lars Wittmann (Bruch des Handwurzelknochens) bis Mitte April wieder fit sind. Lars Wittmann jedenfalls steckt voller Tatendrang: "So einen Wettkampf lasse ich mir nicht entgehen." Ebenfalls zupacken wird Aleksandar Dimitrov. Der U23-Europameister verzichtet auf einen Einsatz bei der EM der Aktiven, die zeitgleich in Albanien stattfindet. ",Sascha hat Knieprobleme. Bei der EM müsste er zu sehr forcieren. Da hebt er lieber für uns", sagt Martina Dosquet. TSV Heinsheim: Erik Kübler (Köpergewicht 61,6 kg) 74,0 Kilopunkte (Reißen 82 kg/Stoßen 100 kg); Kai Wittmann (65,8 kg) 75,0 KP (91 kg/105 kg); Kevin Kübler (75,7 kg) 89,0 KP (110 kg/127 kg); Robin Künzel (81,9 kg) 100,2 KP (121 kg/143 kg); Aleksandar Dimitrov (82,8 kg) 162,4 KP (145 kg/183 kg); Oliver Ehemann (114,2 kg) 90,0 KP (127 kg/173 kg).