Der TSV Heinsheim weiß, wo er hingehört.

Als er vor wenigen Wochen auf seiner Homepage eine Vorab-Tabelle der Gewichtheber-Bundesliga veröffentlichte, sortierte sich der Aufsteiger brav ganz unten ein − auf dem sechsten und letzten Platz. Andere Vereine hätten da mehr Selbstbewusstsein an den Tag gelegt und sich ganz oben angesiedelt. Nicht der TSV. "Wir sind bescheiden. Und wir werden diesen sechsten Platz vehement verteidigen", sagt Abteilungsleiterin Martina Dosquet mit einem Lächeln im Gesicht.

Sechs Wettkämpfe Die Heinsheimer, sie sind wieder da. Mit ihrem Auftritt am Samstag (20 Uhr) beim deutschen Meister SV Germania Obrigheim bestreiten die Männer in den schwarzen Kampfanzügen ihren ersten Bundesliga-Wettkampf seit dreieinhalb Jahren. Es ist eine andere Welt, in die der TSV geraten ist. Statt Hin- und Rückkampf wie in der 2. Bundesliga gibt es jetzt nur noch ein Duell mit dem jeweiligen Gegner. Statt zehn Wettkämpfe wie in der vergangenen Saison bestreitet der TSV nur noch sechs. Und statt mit dem AC Weinheim und dem ASV Ladenburg misst man sich künftig nur noch mit übermächtiger Konkurrenz.

Großen Illusionen gibt sich der Aufsteiger bei seinem Comeback in der Bundesliga nicht hin. "Wir sind der Favorit auf den Abstieg", sagt Martina Dosquet und verweist auf die ersten Ergebnisse der neuen Saison. Lokalrivale Obrigheim stemmte zum Auftakt 870,4 Punkte, der AC Germania St. Ilgen und der AV Speyer kamen auf 761,2 bzw. 741,8 Punkte. Der TSV kommt da nicht ran. Seine Bestmarke liegt bei 674,4 Zählern und ist fast vier Jahre alt. Die Heinsheimer, seit knapp zwei Jahren ungeschlagen, werden sich also aufs Verlieren einstellen müssen.

Was soll’s. "Wir müssen uns nicht schämen, mal mit 200 Punkten Unterschied zu verlieren. Wir gehören zu den 14 besten Teams in Deutschland. Und wenn man bedenkt, dass wir das hier vor allem mit Eigengewächsen machen, dann ist das eine Riesenleistung", sagt Martina Dosquet und stellt klar: "Für einen Verein aus einem 1600-Einwohner-Seelendörfchen muss es eine Ehre sein, Bundesliga zu heben."

Ziel ist es, das Bestmögliche herauszuholen, sich im Schnitt mehr als 600 Punkte zu erkämpfen und die treuen, erstklassigen Fans zu begeistern. Und wer weiß: Vielleicht springt in einem Wettkampf sogar mal etwas heraus. "Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen", erklärt Dosquet keck. Genauso sieht es Trainer Ferdinand Wittmann: "Wenn irgendjemand pennt, wenn irgendjemand patzt, werden wir versuchen, das zu nutzen."

An Fleiß und Ehrgeiz fehlt es dem Team nicht. Seit Wochen bereitet sich die Mannschaft intensiv auf ihr Abenteuer Bundesliga vor. Erik und Kevin Kübler sprühen geradezu vor Tatendrang und sind gut in Form. Auch Robin Künzel, der in Obrigheim seinen letzten Wettkampf bestreitet, bevor er für acht Monate nach Australien geht, holt alles auch sich heraus. Hinzu kommen der alte Haudegen Oliver Ehemann, der es mit 37 Jahren nochmals wissen will, und Aleksandar Dimitrov, der Star des Teams. Einzige Sorgenkinder sind Marcel Heinzelmann und Lars Wittmann. Heinzelmann machen nach wie vor gesundheitliche Probleme zu schaffen und wird bis auf Weiteres nicht zur Hantel greifen können, Wittmann ist beruflich arg eingespannt. Möglich, dass sein Bruder Kai Wittmann für ihn in der ersten Mannschaft in die Bresche springt.

Neuzugang Neu im Team ist Vladimir Estrada Morell. "Er ist aus Versehen bei uns um die Ecke gebogen. Und wir sind froh, dass wir ihn jetzt haben", sagt Dosquet. Den ehemaligen Heber des AC Suhl hat es aus beruflichen Gründen nach Neckarsulm verschlagen, und er versucht sportlich nun beim TSV sein Glück. Sein Debüt für die Heinsheimer gab er am vergangenen Wochenende in der zweiten Mannschaft − und steuerte 75 Punkte zum Sieg bei.

Und was, wenn dem TSV Heinsheim am Samstag die Sensation gelingt? Und er wider Erwarten beim deutschen Meister triumphiert? "Dann melden wir unsere Mannschaft sofort ab. Besser kann es dann nicht mehr werden", sagt Oliver Ehemann.