Oliver Ehemann über den letzten Heimkampf des TSV Heinsheim und die Erfahrungen in der 1.Bundesliga
Er bleibt bei der Stange: Oliver Ehemann greift auch in der nächsten Saison für die erste Mannschaft des TSV Heinsheim zur Hantel.
Das war’s: Mit der 0:3-Niederlage am Samstagabend gegen den AC St. Ilgen bestritt der TSV Heinsheim seinen vorerst letzten Heimkampf in der 1. Bundesliga West. Noch einen Auswärtskampf am 22. Februar in Speyer, dann ist für die Gewichtheber aus dem Neckardörfchen das Abenteuer Oberhaus beendet. "Wir freuen uns auf die 2. Bundesliga", sagt Mannschaftssprecher Oliver Ehemann (39) in einem Gespräch mit unserem Redakteur Eric Schmidt.
Herr Ehemann, das 0:3 gegen St. Ilgen war bis auf Weiteres der letzte Heimkampf des TSV Heinsheim in der 1. Bundesliga. Sind Sie arg traurig, dass die ganz großen Gegner nun nicht mehr vorbeischauen in der Josef-Müller-Halle?
Oliver Ehemann: Soll ich ehrlich sein?
Ja, natürlich.
Ehemann: Wir sind froh, dass wir wieder runter dürfen, in die 2. Bundesliga. Machen wir uns doch nichts vor! Wir haben da oben nichts verloren, wir sind einfach zu schwach. In der 2. Bundesliga hatten wir schöne Wettkämpfe, auch mal spannende Wettkämpfe, in denen der Gegner unser Niveau hatte. Das war in der 1. Liga nicht so der Fall.
Gegen den AC St. Ilgen hätte der TSV fast seinen ersten Punkt geholt − im Stoßen.
Ehemann: Wir hätten uns riesig gefreut und richtig einen reingemacht, wenn wir diesen Punkt geholt hätten. Es hat nicht viel gefehlt. Ich hätte im dritten Versuch nur die 168 Kilogramm stoßen müssen. Normalerweise hab’ ich die auch drauf. Ich habe mich relativ fit gefühlt und war auch relativ zufrieden. Leider hat der Muskel zugemacht. Schade, dass es nicht geklappt hat. Wir wollten halt unsere weiße Weste behalten. Man muss aber auch sagen, dass St. Ilgen nicht mit der besten Mannschaft angetreten ist.
Der TSV stand auf verlorenem Posten in der Bundesliga, oder?
Ehemann: Nehmen wir nur den ersten Wettkampf in Obrigheim! Die machen 300 Punkte mehr als wir. Da denkst du: Was soll das? Da fühlst du dich einfach verarscht. Schön, dass du mal kurz heben darfst. Nein, wir sind froh, wenn wir runter dürfen. In der anderen Bundesliga, in der Bundesliga Ost, hätten wir vielleicht ein, zwei Wettkämpfe gewonnen, dann wäre das interessanter geworden.
Vielleicht sollte der TSV Heinsheim in den Osten umsiedeln...
Ehemann: Na, ich weiß nicht, ob da alle mitmachen würden. Nein, wir freuen uns auf das nächste Jahr und die 2. Liga. Da kennen wir die ganzen Vereine, mit denen kommen wir alle gut klar.
Was hat sich der TSV vorgenommen für die 2. Liga?
Ehemann: Wir wollen Meister werden − und zwar vor allem aus einem Grund: Wenn wir Meister würden, wäre das Finale aller Zweitliga-Meister hier in Heinsheim. Das ist für mich ein Grund, noch eine Saison dranzuhängen. Dieses Finale in Heinsheim, das würde ich gerne noch mitheben. Und danach ist definitiv Schluss.
Mit 39 Jahren sind Sie ja im besten Gewichtheber-Alter.
Ehemann: Im besten Gewichtheber-Alter, um aufzuhören vielleicht, ja. Wenn jetzt jemand käme, der mehr Punkte hebt, hätte ich kein Problem damit, aufzuhören. Dann hebe ich halt in der 2. Mannschaft. Ich bin da nicht so.
Gibt es etwas, was positiv in Erinnerung bleiben wird von dieser Bundesliga-Saison?
Ehemann: Wenn man in Obrigheim hebt, vor 500 Zuschauern, ist das schon schön − auch wenn man am Ende mit 300 Punkten Unterschied verliert. Die ziehen das richtig professionell auf, und dann macht das auch richtig Spaß. Es ist sehr, sehr selten, dass man so einen Wettkampf hat. Ansonsten ist ein Bundesliga-Wettkampf wie jeder andere auch. Du gehst hin und verlierst.
Die Fans haben trotz der Niederlagen immer zur Mannschaft gehalten.
Ehemann: Gott sei Dank. Der große Teil wusste im Vorhinein, dass wir da durch müssen in dieser Saison, dass wir keine große Chance haben. Die Fans hier sind super.
Wie ist es so, wenn man einen Star wie Aleksandar Dimitrov in den eigenen Reihen hat?
Ehemann: Ich finde es immer noch faszinierend, dass so jemand wie "Sascha" gerne bei uns hebt. Ich will jetzt niemandem von uns zu nahe treten: Wir geben immer alles und zeigen gute Leistungen. Wir sind aber keine Weltklasse-Heber. "Sascha" ist ein Weltklasse-Heber. Dass er trotzdem mit uns hebt, davor kann ich nur den Hut ziehen. Und er ist einfach ein Bombenkerl. Er hat überhaupt keine Starallüren, er setzt sich nach dem Wettkampf mit uns hin, trinkt ein Bier. Er ist ein würdiger Nachfolger von Iliyan Tzankov geworden.
Jetzt gibt es noch einen Wettkampf, den in Speyer. Was ist drin?
Ehemann: Unser Ziel sind drei Punkte, klar. Nein, das ist jetzt ein Witz. Wir wollen natürlich jeden Wettkampf gewinnen − nur sind die Gegner so stark in der Bundesliga.