Am Schluss wurden noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen. Klick, klick, klick. Immer wieder hielten die Gewichtheber des SV Flözlingen den historischen Moment fest. Nach dem Fotoshooting tranken die Gäste dann aus mitgebrachten Gläsern den mitgebrachten Sekt und genossen ihren Triumph in vollen Zügen. "Für uns wäre der Abstieg bitter gewesen. Für Heinsheim ist es natürlich schade, dass es nicht gereicht hat", sagte Teamsprecher Reiner Müller.

Nicht Flözlingen, nicht Obrigheim, nicht Magstadt: Den TSV Heinsheim hat es erwischt. Im Herzschlagfinale der Oberliga Baden-Württemberg zog ausgerechnet die zweite Mannschaft aus "Hoose" den Kürzeren. Im letzten Saisonwettkampf verlor der TSV zu Hause mit 0:3 (386,0:404,0) gegen den SV Flözlingen und rutschte vom vorletztem auf den letzten Platz ab − den Abstiegsplatz.

"Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat einen tollen Wettkampf abgeliefert", sagte Abteilungsleiterin Martina Dosquet und betonte: "Mit sieben Punkte abzusteigen, das gab es noch nie. Aber die ganze Situation war irgendwie total verrückt."

Ja, das war sie. Vor dem letzten Wettkampftag stand nur eine Entscheidung fest. Ungeschlagen, mit 24:0 Punkten, war der KSV Lörrach Meister geworden. Die anderen vier Teams konnten alle noch Vizemeister und alle noch Letzter werden. Es war, als ob Stieg Larsson und John Grisham gemeinsam einen Gewichtheber-Thriller inszeniert hatten. Abstiegskampf als Breitensport.

Hochspannung Die "Zweite" des TSV Heinsheim gab alles. Immer wieder riss sie die Führung an sich. Stark der Auftritt von Patrick Carvalho. Der Jugendnationalheber stellte in beiden Disziplinen neue persönliche Bestleistungen auf. Den 73 Kilogramm im Reißen ließ der 14-Jährige 92 Kilogramm im Stoßen folgen − locker, leicht, als sei es nichts. Carvalho blieb ebenso ohne Fehlversuch wie der starke Kai Wittmann, der im Stoßen 110 Kilogramm stemmte. "Das ist Jahre her, dass ich die 100 Kilogramm geschafft hab’", sagte Wittmann.

Auch die anderen im Team ließen nichts unversucht: Iliyan Tzankov brachte 78,0 Punkte in die Wertung, der angeschlagene Vladimir Estrada Morell 58,0 Zähler. Tobias Krauter (47,0 Punkte) , Silvia Winter und Ralf Fein komplettierten die gute Vorstellung. Viel fehlte nicht. Ein, zwei gültige Versuche mehr − und der TSV hätte sich zumindest im Reißen einen Punkt ergattert.

Nun ist ein Abenteuer zu Ende. Vier Jahre in Folge ging der TSV mit seiner "Zweiten" in der Oberliga an die Hantel. "Wir haben uns länger gehalten, als wir gedacht haben", sagt Martina Dosquet. Dass es dieses Mal nicht gereicht hat, lag vor allem am Verletzungspech. Immer wieder mussten Heber aus der "Zweiten" in der ersten Mannschaft in der Bundesliga aushelfen. Dies konnte das Team nicht kompensieren. Was soll’s. "Letztlich ist es nicht tragisch. Schade ist, dass wir mit der ersten und der zweiten Mannschaft zwei Absteiger haben in dieser Saison. Das ist ein bisschen unglücklich", erklärt Martina Dosquet.

Triple im Visier Was die zweite Mannschaft betrifft, so verhindert ihr Abstieg den Aufstieg der dritten Mannschaft. Die "Dritte", die Meister in der Bezirksklasse wurde, kann nun doch nicht in die Landesliga hoch − weil dorthin jetzt die "Zweite" kommt. Einen Vorteil hat die ganze Sache allerdings: "Jetzt haben wir eine gute Chance, in der nächsten Saison drei Meisterschaften zu feiern − mit der dritten Mannschaft in der Bezirksklasse, mit der zweiten Mannschaft in der Landesliga und mit der ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga", sagt Ralf Fein, der technische Leiter.

Wer den TSV Heinsheim kennt, weiß: Zuzutrauen ist ihm alles − auch das Triple.