Der Empfang war herzlich. Als Lars Wittmann nach der Siegerehrung die Wettkampfbühne verließ, wartete schon Freundin Bianca auf ihn. Stolz drückte sie ihrem Helden einen Kuss auf die Lippen und umarmte ihn. "Sie freut sich natürlich mit mir", sagte der junge Gewichtheber des Zweitligisten TSV Heinsheim.

 

Darling Lars Wittmann hatte sich die Aufmerksamkeiten verdient. Beim 3:0 (628,8:476,0)-Heimsieg am Samstag gegen den AC Weinheim stand der 20-Jährige nicht nur bei seiner Freundin hoch in der Gunst, sondern auch bei den Fans. Er war Publikumsliebling. Weil er Schwerstarbeit geleistet hatte. Und mit zwei neuen Rekorden glänzte. Im Reißen verbesserte er seine Bestleistung von 95 auf 96 Kilogramm, im Stoßen von 112 gar auf 116 Kilogramm.

Das war so nicht zu erwarten gewesen. Vor drei Wochen ging es dem jungen starken Mann gar nicht gut. Nachts war er aufgewacht, mit starken Schmerzen. Lars Wittmann hatte Bauchkrämpfe, konnte kaum noch Hände und Füße bewegen. Im Krankenhaus stellte man dann die Wurzel des Übels fest: eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. Training? "Ich hing fünf Tage lang am Tropf", sagt Wittmann. Den Wettkampf gegen Nagold musste er sausen lassen, auf den Heimkampf gegen Weinheim wurde er mit dosierten Übungen herangeführt.

"Körperlich bin ich noch etwas geschwächt. Aber im Kopf bin ich stark. Wenn der mitspielt, dann geht es", sagt Lars Wittmann. Hinzu kommt seine Fingerfertigkeit im Umgang mit der Hantel. Seine Technik ist gut − so gut wie bei keinem anderem im Team. "Einen Hammer und ein Beil würde ich ihm nicht in die Hand drücken. Aber an der Hantel ist er stark", berichtet sein Vater und Trainer Ferdinand Wittmann.

Lizenz zum Essen

Wie es nun weiter geht? Nach seinem Klinikaufenthalt hat der ohnehin so schmächtige Lars Wittmann abgenommen. 64,7 Kilogramm brachte er am Samstagabend auf die Waage. Zu wenig auf Dauer. Wer Gewichte heben will, muss Gewicht mitbringen. 80 bis 85 Kilo sind das Ziel. Die Wittmanns helfen nach − und beziehen vom Bundesverband Nahrungsergänzungsmittel. "Lars kann ja nicht eimerweise Spaghetti essen", sagt Ferdinand Wittmann.